Aggressivität, Macht und Sexualität sind drei stark ineinander wirkende Erfahrungsfelder im Mädchen- und Frauenleben, die vor allem in ihren belastenden Aspekten wahrgenommen werden: Aggressionsausbrüche oder Aggressionshemmung, Ohnmacht und Machtmissbrauch sowie Verletzungen in der sexuellen Entwicklung.

Licht in diese Zusammenhänge zu bringen ist das Kernanliegen unserer gemeinsamen Arbeit, in der wir sowohl Aggressivität als auch Sexualität als positive und kraftvolle Lebensenergien verstehen.

Ein Ausgangspunkt unserer Bildungstätigkeit liegt in der (Unter-)Entwicklung von Aggressionen in der weiblichen Sozialisation, die viele (Hinter-)Gründe hat:

  • Einer liegt in der geschlechtsspezifischen Erziehung, die – nach wie vor – eher Jungen als Mädchen zugesteht, zornige Gefühle zu haben und diese auch auszudrücken.
  • Ein anderer Grund fußt in der Erfahrung sexualisierter Gewalt, die Mädchen und Frauen u.a. dadurch überleben, dass sie in der Folge zahlreiche Gefühle unterdrücken oder auch abspalten – Wut, Zorn und Hass gehören dazu.
  • Ein weiterer Aspekt ist der, dass Aggressionen oftmals mit Gewalt, Angriff und Zerstörung gleichgesetzt werden und Mädchen/Frauen diese gerade nicht als eine angemessene Reaktion auf das Erlebte begreifen.

Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch über aggressive Impulse verfügt und diese stets berechtigt sind. Sie können nützliche Hinweise über Situationen und Umstände geben, die als belastend oder ungerecht und als "nicht richtig" erlebt werden. Mädchen und Frauen gestehen sich bereits Gefühle von Ärger, Wut und Zorn oft nicht zu und können sie in der Folge nicht als Kraft wahrnehmen.

Aggressives Verhalten im Sinne von "auf jemanden zugehen", sich mitteilen mit der eigenen Sicht auf Fragen und Konflikte, Bewegungen und Veränderungen: es geht um eine "Aggressionskultur", in der unterschiedliche Empfindungen, Meinungen und Bedürfnisse deutlich werden und Auseinandersetzungen offen und offensiv, jedoch nicht rücksichtslos geführt werden können.

"Aufrichtigkeit nicht als einmaliger Kraftakt, sondern als Ziel, als Prozess mit Möglichkeiten der Annäherung, in kleinen Schritten, die auf einen noch unbekannten Boden führen."

Christa Wolf, *1929